In die nächste Runde – Spendenaktion für die Lokstedter Tafel am Corvey
Laut Statista wurden im Jahr 2024 etwa 19 % der Bevölkerung in Hamburg als armutsgefährdet eingestuft. Das entspricht etwa jeder fünften Person. Die Gründe dafür könnten unterschiedlicher nicht sein: Die Einen erleiden bittere Schicksalsschläge, die Anderen erhalten zu wenig Rente. Was sie jedoch alle verbindet, ist die Tatsache, dass ihnen das Geld für ausreichend Lebensmittel fehlt.
Die Lokstedter Tafel ist mit ca. 350 Gästen, so werden Hilfsbedürftige hier genannt, voll ausgelastet und benötigt dementsprechend fortlaufend viele Lebensmittel.
Wir hatten mitbekommen, dass unsere Schule bereits 2023 mit der Tafel zusammengearbeitet hatte und damals sehr viele Lebensmittel gespendet wurden. Deshalb entschieden wir uns, Nevis, Peer, Marcel und Paul, alle aus dem Profil „Medien und Gesellschaft (S4), im Rahmen des Unterrichtsprojekts „Lernen durch Engagement“ (LdE), im Frühjahr 2026 wieder eine Spendenaktion zusammen mit der Lokstedter Tafel zu organisieren, also ab in die nächste Runde. Ziel war es, unseren Stadtteil in der kalten Jahreszeit zu unterstützen und dort zu helfen, wo Hilfe offensichtlich dringend benötigt wird.
Nach einem ersten Kontakt mit der Sozialberaterin Christin Döring vom Verein Anstoß e. V., der die Lebensmittelausgabe der Hamburger Tafel in Lokstedt organisiert, entstand schnell der Plan, eine schulweite Sammlung haltbarer Lebensmittel durchzuführen, und zwar am 4. Februar 2026.
Als wir zu einem ersten Treffen vor Ort in der Vizelinstraße 8b waren, trafen wir eine kleine Gruppe älterer Menschen, die dort dort bei Kaffee und Kuchen zusammensaßen. Die Stimmung war sehr entspannt und von guten Gesprächen geprägt. Auf den ersten Blick war nicht erkennbar, dass diese Menschen bedürftig sind. Das hat uns gezeigt, dass Armut und Bedürftigkeit nicht immer offensichtlich erkennbar sein müssen. Es war interessant zu sehen, dass sich bei Anstoß e.V. viele Gäste kennengelernt und zum Teil auch angefreundet haben. Da es in unmittelbarer Umgebung keinen Treffpunkt gab, hat Anstoß e.V. auch einen wöchentlichen Frühstückstreff und ein Kaffee „Klönschnack“ eingerichtet. Es zeigte sich, dass man hier nicht nur Lebensmittel erhält, sondern auch einen Anlaufpunkt für Gespräche hat.
Am 4. Februar nahmen wir in der Schule von 8 Uhr bis 12 Uhr die Lebensmittelspenden entgegen. Vor der Mensa bauten wir unsere Sammelstation auf und sortierten die Lebensmittel nach Kategorien wie Nudeln und Reis, Konserven, Trockenprodukte und Süßigkeiten in robuste Transportboxen, die wir von Anstoß e. V. zur Verfügung gestellt bekommen hatten.
Die Beteiligung war großartig: Insgesamt kamen 22 volle Kisten mit Lebensmitteln zusammen, sowie ca. 100 Euro an Geldspenden. Am meisten wurden dabei Nudeln gespendet. Beim Spenden fiel auf, dass die unteren Jahrgänge der Klassen fünf bis acht besonders engagiert mitmachten. Die Kisten luden wir zusammen mit Mitarbeitern der Lokstedter Tafel in einen Transporter und fuhren die Lieferung zum Abladen in die Ausgabestelle in der Vizelinstraße.
Von Frau Döring erfuhren wir, dass die Tafel nur einmal pro Woche von Supermärkten beliefert wird – und das zum Teil mit sehr unterschiedlichen Mengen, sodass es Situationen gibt, in denen das Angebot sehr eingeschränkt ist. Unsere Spenden halfen, die Regale zu füllen, den Gästen eine größere Auswahl an Lebensmitteln zu bieten und einen vorläufigen Vorrat sicherzustellen. Das Auffüllen des Lagers mit unseren Spenden sollte den Zusatzbedarf für etwa einen Monat abdecken.
Unsere Spenden, aber auch die von Supermärkten und anderen Partnern wurden nach Kategorien wie Nudeln, Konserven oder Süßigkeiten sortiert und auf Haltbarkeit geprüft. Lebensmittel, die ein bis drei Tage über dem Ablaufdatum liegen (außer bei Fisch), werden nicht einfach weggeworfen, sondern sind durchaus noch verträglich und können weiterverwendet werden. Somit trägt die Tafel auch dazu bei, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.
Die Ausgabe erfolgt jeden Freitag. Die Organisation und Durchführung der Lebensmittelausgabe wäre ohne die Hilfe der vielen ehrenamtlichen Helfer:innen des Vereins gar nicht möglich.
Am 5. Februar besuchten alle Schüler:innen des Profils „Medien und Gesellschaft“ (S4) Anstoß e. V. in der Vizelinstraße. Dort bekamen wir genaue Einblicke in die Arbeitsabläufe des Vereins und lernten, wie viel Engagement und Mühe eigentlich hinter der Versorgung hilfsbedürftiger Menschen steckt.
Uns hat insgesamt sehr berührt, wie viele von Euch gespendet haben und auch in welchen Mengen. Wir finden es bewundernswert, wie sehr die Ehrenamtlichen und besonders Christin Döring und Dagmar Vogel, die zweite Vorsitzende des Vereins, für ihre Arbeit brennen und wie einfühlsam sie sich für andere Menschen, die Hilfe brauchen, einsetzen. Dabei wurde uns klar, wie wichtig jede noch so kleine Spende ist und wie sehr diese wertgeschätzt wird.
Fest steht, durch gemeinsames Handeln können wir viel erreichen. Einfache Lebensmittelspenden können für andere einen großen Unterschied machen. Uns ist nun bewusst, welchen Wert Lebensmittel haben, außer ihrem Preis und wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang damit ist.
Diese außerschulische Kooperation ist sehr wichtig, um auch Erfahrungen aus dem echten Leben zu sammeln. Gerade in unserem Lokstedt, in dem es scheint, als würde es den meisten Menschen sehr gut gehen, ist es wichtig, diejenigen zu unterstützen, denen es nicht so gut geht. So kann der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und in unserem Stadtteil wirklich gestärkt werden. Ab in die nächste Runde!
Ein besonderer Dank gilt allen Schüler:innen, Eltern und Lehrkräften, die sich mit ihren Spenden an der Aktion beteiligt haben.
Wir hoffen, dass wir mit unserer Spendenaktion ein Zeichen setzen konnten, sodass vielleicht auch nachfolgende Klassen unseren Weg weiterführen. Also, ab in die nächste Runde!
Denn eines ist klar: Bedürftigkeit wird bleiben.
Nevis, Peer, Marcel und Paul (Profil „Medien und Gesellschaft“ S4)


