Besuch beim „Hamburg Center for Health Economics“
Am Donnerstag, den 2. Juli 2026, besuchte das Global-Challenges-Profil (S2) im Rahmen der Profiltage das Hamburg Center for Health Economics (HCHE), das Forschungszentrum der Universität Hamburg und des UKE.
Da wir uns im Unterricht bereits mit dem Gesundheitssystem sowie dem aktuellen Thema Wirtschaft beschäftigt hatten, waren wir gut in die Thematik eingearbeitet und hofften, zusätzliche Informationen sowie interessante und praxisnahe Einblicke zu erhalten.
Nachdem wir uns um 8:15 Uhr an der Esplanade getroffen hatten, stellten uns zwei engagierte Studenten das Tagesprogramm sowie die Möglichkeit vor, an einer Studie teilzunehmen, die die Entscheidungen von Ärztinnen und Ärzten thematisierte.
Kurz darauf hörten wir einen etwa zehnminütigen Vortrag über Arzneimittel. Dabei wurde insbesondere der Weg eines Medikaments von der Forschung bis zur Anwendung erläutert. Außerdem wurden die Finanzierung und die Preisfestlegung erklärt, die auf diesem Weg eine entscheidende Rolle spielen.
Bevor wir anschließend in Gruppenarbeit den Laufzettel bearbeiteten und unsere Ergebnisse vorstellten, hatten wir Zeit, uns die ausgestellten Informationstafeln über den Gesundheitssektor und die aktuelle Situation im Gesundheitswesen anzusehen.
Zum Schluss nahmen wir noch an einer Studie teil, indem wir einen Fragebogen ausfüllten. Je nach unseren Entscheidungen konnten wir dabei ein kleines Taschengeld verdienen.
Was haben wir inhaltlich mitgenommen?
Im Mittelpunkt der Ausstellung stand die Frage, wie das deutsche Gesundheitssystem auch in Zukunft finanzierbar bleiben kann. Schnell wurde deutlich, dass steigende Kosten, der demografische Wandel und der Fachkräftemangel große Herausforderungen darstellen.
Bereits für das Jahr 2027 wird ein Defizit von rund 15 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung erwartet.
Ein weiteres spannendes Thema waren neue Medikamente. Diese sind heute im Durchschnitt 50-mal teurer als noch vor 15 Jahren. Gleichzeitig wurde erklärt, wie das sogenannte AMNOG-Verfahren dafür sorgt, dass der Nutzen neuer Medikamente überprüft wird, bevor endgültige Preise festgelegt werden. Dadurch kommen neue Medikamente zwar durchschnittlich 4,3 Monate später auf den deutschen Markt, langfristig sollen jedoch Kosten gesenkt und wirksame Medikamente gezielter eingesetzt werden.
Auch der Fachkräftemangel wurde intensiv behandelt. Obwohl in Deutschland rund 420.000 Ärztinnen und Ärzte sowie etwa 1,6 Millionen Pflegekräfte arbeiten, fehlen insbesondere in der Pflege viele Fachkräfte. Hinzu kommt, dass die Zahl der Menschen über 80 Jahre bis 2050 um etwa 60 % steigen wird. Deshalb sind bessere Arbeitsbedingungen, Digitalisierung und moderne Arbeitsmodelle wichtige Zukunftsthemen.
Besonders interessant fanden wir außerdem den Bereich der Gesundheitsökonomie. Dort lernten wir, dass medizinische Entscheidungen nicht nur nach ihrer Wirksamkeit, sondern auch nach ihrem Nutzen und ihren Kosten bewertet werden. Mithilfe des sogenannten QALY (Quality-adjusted Life Year) lässt sich beispielsweise vergleichen, wie viel Lebensqualität eine Behandlung tatsächlich bringt.
Zum Abschluss wurde deutlich, dass das Gesundheitssystem nur dann langfristig funktionieren kann, wenn medizinischer Fortschritt, wirtschaftliche Vernunft und eine gute Patientenversorgung miteinander in Einklang gebracht werden. Der Besuch hat uns gezeigt, wie komplex diese Entscheidungen sind und wie wichtig innovative Lösungen für die Zukunft unseres Gesundheitssystems sein werden.
Maxi und Lorenz aus dem GC11-Profil