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Lernen aus der Geschichte mit Blick auf die Gegenwart

Zweitzeugen-Projekt der 8. Klassen

Welche Bedeutung haben die Geschichten von Holocaust-Überlebenden heute – und wie kann ein bewusster Blick in die Vergangenheit dabei helfen, Antisemitismus in der Gegenwart zu erkennen und einzuordnen? Mit diesen Fragen setzten sich die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 8 im Februar 2026 im Rahmen der Zweitzeugen-Projekttage im Klassenverband auseinander.

Im Mittelpunkt stand zunächst die intensive Beschäftigung mit den Lebensgeschichten von Holocaust-Überlebenden. Die Schülerinnen und Schüler erhielten einen eindrücklichen Einblick in persönliche Schicksale von Verfolgung, Flucht und Überleben während der Zeit des Nationalsozialismus. Die ruhige und konzentrierte Atmosphäre im Stuhlkreis zeigte, wie sehr diese Geschichten die Jugendlichen bewegen und zum Nachdenken anregen.

Ein zentraler Teil des Projektes war die Beschäftigung mit der Biografie von Dr. Leon Weintraub, einem Holocaust-Überlebenden, dessen Lebensgeschichte exemplarisch für das Überleben unter extremen Bedingungen steht. Seine Lebensgeschichte machte deutlich, welches Leid Menschen während der NS-Zeit erfahren haben und wie wichtig es ist, diese Erinnerungen weiterzugeben.

Im Anschluss wurde der Blick gezielt auf die Gegenwart erweitert. Die Schülerinnen und Schüler setzten sich anhand eines konkreten Beispiels – ein Jugendlicher, der Antisemitismus heute erlebt – mit der Frage auseinander, wo Antisemitismus in der Gegenwart auftreten kann und wie sich Formen von Ausgrenzung, Vorurteilen oder abwertenden Äußerungen im Alltag zeigen. Dabei ging es auch darum, Wahrnehmung zu schärfen und Handlungsmöglichkeiten im eigenen Umfeld zu reflektieren.

Die intensive Beschäftigung spiegelte sich auch in den Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler wider. Eine Schülerin fasste ihre Eindrücke so zusammen: „Mich hat das Schicksal von Leon sehr berührt.“ Ein anderer Schüler sagte: „Ich habe viele Sachen gelernt, die ich vorher nicht wusste.“

Einige Schülerinnen und Schüler verarbeiteten den Zweitzeugen-Projekttag im Geschichtsunterricht, indem sie „Briefe gegen das Vergessen“ an Dr. Leon Weintraub verfassten (siehe Foto). Andere werden die Inhalte des Projektworkshops im Kunstunterricht kreativ in T-Shirt-Drucken umsetzen.

Das Zweitzeugen-Projekt fügt sich in das Selbstverständnis der Schule ein: Als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sowie mit dem Leitbild „demokratisch. gesund. kreativ.“ setzen wir am Corvey-Gymnasium bewusst auf Projekte, die historische Bildung mit Demokratiebildung verbinden und Schülerinnen und Schüler darin stärken, Antisemitismus und Diskriminierung im Heute wahrzunehmen und ihnen aktiv zu begegnen. Finanziert wurde das Projekt in diesem Schuljahr durch Spenden der Amadeu-Antonio-Stiftung, der David Ben-Gurion Stiftung in Deutschland, der freenet AG, der Kulturförderung der Hamburger Behörde für Kultur und Medien sowie durch Spenden aus der Elternschaft – herzlichen Dank! Diese Unterstützung macht solche Lernerfahrungen überhaupt erst möglich.

Die Geschichten der Überlebenden enden nicht mit ihrer Generation. Sie leben weiter – in dem Moment, in dem junge Menschen beginnen, genauer hinzuschauen, Worte zu hinterfragen und Haltung zu zeigen.

Von Sophie Augustin